
22.06.2026
30 Jahre Kirchenladen – Artikel aus der TA
Ob Mitbringsel oder lebenslange Begleiter, am Fuße des Doms werden Touristen und Erfurter gleichermaßen fündig. Alles begann mit Klapptischen und einem Trabi.
Thüringer Allgemeine vom 20.06.2026
Text und Foto von Friedemann Mertin
Leiter der Lokalredaktion Erfurt
Adventskalender im Postkartenformat mit Erfurt-Motiv locken an den Eingang zum Domplatz 25 – und das mitten im Sommer. „Ich wäre doch blöd, die erst zur Adventszeit auszustellen. Die Touristen sind jetzt in der Stadt und kommen bis Jahresende wahrscheinlich nicht wieder“, sagt Sabine Bentzien und lacht. Die 55-Jährige betreibt den Kirchenladen am Dom und hat ein lange erarbeitetes Gespür für die Wünsche und Vorlieben ihrer Kundschaft.
„Wir haben viele Stammgäste, die regelmäßig kommen, aus den Kirchengemeinden, aber genauso Nichtgläubige. Viele Erfurter wissen, dass sie bei uns ein Geschenk finden“, berichtet sie. 20.000 Artikel rund um den Glauben umfasst das ökumenische Sortiment. Darunter naheliegende Dinge, wie beispielsweise christliche Bücher, mal abwegigere Utensilien, wie etwa Fahrradklingeln mit Segenswünschen.
Ob Kinderbibeln, Rosenkränze, Kreuze, Dekoration, Tassen, Karten für jeden Anlass oder Souvenire – beim Gang durch den Laden wirkt es so, als ob es hier nichts gebe, was es nicht gibt. Kitschig darf es nicht sein, betont Sabine Bentzien. Dauerbrenner seien die Herrnhuter Sterne. Dauerbrenner anderer Art sind die Kerzen zur Taufe, Hochzeit, Konfirmation, Firmung, Kommunion und anderen Anlässen.
Hauseigene Werkstatt fertigt Kerzen für jeden Anlass
Die Rohlinge in verschiedenen Größen werden in der hauseigenen Werkstatt nach den Wünschen der Kunden verziert. Genauso gut können verschiedenfarbige Wachsplatten, Ziffern und Applikationen gekauft und die Kerze selbst dekoriert werden. Einmal hat ein Paar zur Trauung eine ein Meter hohe Hochzeitskerze bestellt. „Sie wollten, dass ihre Ehe lange hält, also sollte auch die Kerze lange halten“, erinnert sich Sabine Bentzien.
Im Untergeschoss des Ladens geht es das ganze Jahr über weihnachtlich zu. Zwischen Räucherkerzen und Adventskalendern ziehen viele Weihnachtskrippen mit passenden Figuren die Blicke auf sich. Die werden in Südtirol geschnitzt.
Am 1. Juli besteht das Geschäft seit 30 Jahren.
Die Anfänge liegen weiter zurück. Sabine Bentziens Vorgängerin, Ute Banse, startete 1990 mit einem mobilen Informations- und Verkaufsstand am Fuß der Domstufen. Als Stadtführerin war ihr aufgefallen, dass Touristen sonntags nirgendwo Postkarten kaufen konnten. Also zog sie mit Klapptischen, Schirm und einem Trabi los. Als ihr 1996 die Übernahme des Kirchenladens „Lydia“ in der Pergamentergasse angeboten wurde, ließ sie sich nieder. 2001 folgte der Umzug an den Domplatz. 2017 schließlich übernahm Sabine Bentzien die Geschicke.
Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen bildet sie ein Frauenteam. „Eine ist katholisch, eine evangelisch und eine nichtgläubig. Auch hier leben wir die Ökumene“, sagt sie. Die ökumenische Ausrichtung ist selten. Bundesweit gibt es nur wenige Geschäfte mit ähnlichem Konzept. Das Geschäft laufe im 30. Jahr grundsätzlich gut, sei aber im stetigen Wandel, so wie generell im Einzelhandel. „Was vor 10 Jahren, vor 5 Jahren, im vergangenen Jahr gut lief, muss nicht unbedingt auch nächstes Jahr gut laufen“, sagt Sabine Bentzien. Eine Konstante sei der Advent. Mit dem Weihnachtsmarkt direkt vor der Tür herrsche Hochbetrieb. Nicht nur für Adventskalender.